Mist, wir brauchen einen Namen!

Aktualisiert: 25. Okt 2019




Ich mag es nicht, Titel zu finden. Titel engen ein. Titel wecken Assoziationen, machen Bock auf ein Buch oder eben auch nicht. Titel definieren, und ich bin nicht gut im definieren.

Was haben wir als Team also hin und her überlegt, als die Frage im Raum stand, wie die Anthologie am Ende heißen soll.

Erst haben wir ordentlich prokrastiniert („Nächsten Monat machen wir das mit dem Namen“), dann Titel gesammelt, um sie wieder zu verwerfen, und in meiner Verzweiflung habe ich sogar Google gefragt, wie man sich einen guten Titel zusammenbaut. Auf absolut professionell klingenden Seiten wie vomschreibenleben.de lassen sich wunderbare Tipps („Bilder entstehen lassen“) und dazu passende Beispiele („Schokoküsse unterm Mistelzweig“) finden – ganz große Klasse.

Dabei waren mir die Dinge, die ich mit dem Buch verbinde, eigentlich schon sehr früh im Entstehungsprozess klar. Als ich mit einer Freundin über das Projekt gesprochen habe, hatte ich plötzlich ein Bild vor Augen: Eine Hand, die einen Klumpen Gold hält. Grob und ungeformt, aber Gold. Und den Gedanken, dass es mit dem Gold wie mit unseren Talenten ist: Jede*r hat Talente in die Hand gedrückt bekommen. Was wir damit anstellen? Unsere Sache. Aber die Talente, der Schatz, das Gold, ist einfach da. Möchte geformt, gesponnen, gezeigt werden.

Was wir mit dem Buch wollen, ist genau das: Menschen die Möglichkeit geben, ihr Gold ein bisschen mehr zu formen und zu zeigen. Einen goldenen Faden aus dem zu spinnen, was sowieso schon da ist. Der goldene Faden ist das Schöne, das sich durch unser Leben zieht. Er ist das, was uns antreibt, das, was wir gern tun. Die Richtung, in die unsere Gedanken fließen. Er reißt nicht einfach, sondern er hält die Dinge zusammen. Das, was gesagt werden will und das, was aus unseren Köpfen strömt – „Kunst ist, was aus dem Kopf in die Hände fließt, ein Künstler ist, wer sich diesem Strom nicht verschließt“, schreibt Lisa Kielbassa in einem der Texte im Buch, und trifft damit den Nagel auf den Kopf.

Am Goldenen Faden. Da war er also, der Titel. Gar nicht mal so eng und ganz ohne Google gefunden, trotz aller Prokrastination und Unsicherheit. Wir freuen uns darauf, ihn weiterzuspinnen.


Jasmin Brückner

25 Ansichten