This is how we do it…



This is how we do it…

Manchmal wäre es als Kreativschaffende schön, ein einfaches Rezept zu haben, nach dem Motto: So funktioniert Kreativsein in 10 Schritten. Aber ist es überhaupt möglich, ein „Erfolgsrezept Kreativität“ zu geben? In Zusammenarbeit mit einem engen Freund entwickle ich schon länger verschiedene Seminarwochenenden rund um das Thema Kreativität, um Menschen zu ermutigen, ihren eigenen Weg zu finden, ihrer Kreativität Ausdruck zu verleihen. Einige Ansatzpunkte haben wir dabei entdeckt.


Ein geeignetes Umfeld schaffen

Oft kann es für eigene kreative Abenteuer hilfreich sein, ein geeignetes Umfeld zu schaffen. Dies fängt beim Ort des Arbeitens an. Es ist wertvoll, herauszufinden welche Orte für einen selbst förderlich sind: Ist es die Stille der eigenen Wohnung, ein gezielter Ortswechsel ins Lieblingscafé oder doch eher eine Arbeitsgruppe von anderen Kreativen um einen herum, die eine Atmosphäre von kreativer Wirksamkeit verbreiten? Vielleicht helfen auch feste Räume, wie ein eigenes Atelier oder eigene Rituale, wie zum Beispiel der Eröffnungstanz zum locker werden vor der eigenen kreativen Arbeit. Der eigenen Experimentierfreude sind dabei keine Grenzen gesetzt. Das passende Umfeld für die eigene Kreativität zu finden, kann dabei selbst schon zu einem kreativen Prozess werden, bei dem man sich im besten Falle besser kennen lernt, und eigene bewährte Strategien entwickeln darf.

Zu einem passenden Umfeld gehört aber neben den konkreten Räumlichkeiten auch die passende Vorbereitung. Je nach Projekt und Anliegen kann eine Materialsammlung vor dem Start der kreativen Arbeit eine geeignete Grundlage legen, denn Kreativität wächst stets aus den Einflüssen, die wir bereits um uns herum vorfinden. Sich diesen Einflüssen bewusst zu werden, sie auf diesem Weg konkret und greifbar zu machen, kann helfen.

Auch gezielte Lockerungsübungen unterstützen die eigene Kreativität. Eine Variante ist dabei zum Beispiel das Arbeiten mit Assoziationsketten. Der Start ist ein Wort, eine Handlung, eine selbstgewählte Skizze und davon ausgehend wird ein Pool wilder Assoziationen gebildet – entweder als stringente Assoziationskette oder in Form einer Mindmap. Alles was einfällt, darf erst einmal festgehalten werden, ohne schon bewertet oder sortiert werden zu müssen.

Eine andere Möglichkeit ist, mit dem Gegenteil zu arbeiten: Bisoziationen. „Hier geht es darum, dass aus zwei unterschiedlichen Begriffen, die für uns auf den ersten Blick in keinem Zusammenhang stehen, ein neuer Gedankengang oder eine neue Idee entsteht, auf die wir durch herkömmliches Nachdenken nicht gekommen wären.“ Konkret heißt das, zu einem Ausgangsobjekt, -begriff oder ähnlichem gezielt ein Gegenstück zu finden, welches bisher keinerlei Verbindung damit hat und sich der Aufgabe zu stellen, diese in einen sinnvollen Zusammenhang zu bringen. Spannend wäre es ja schon sich zu überlegen, was beispielsweise geschehen könnte, wenn ein Meerschweinchen beschließt, sich an einer Universität für Maschinenbau einzuschreiben.

Eine geeignete innere Einstellung entwickeln

Vielleicht ist dem einen oder der anderen aufgefallen, dass in den oben beschriebenen Ansatzpunkten für ein passendes Umfeld auch oft schon innere Einstellungen mitschwingen. Sicherlich lassen sich diese beiden Bereiche nicht scharf voneinander trennen, da sie sich gegenseitig beeinflussen. So haben oben beschriebene Lockerungsübungen zum Beispiel das Ziel, zu einer inneren Einstellung der Offenheit für den kreativen Prozess zu gelangen. Diese Offenheit lebt davon, eigene Ideen nicht vorschnell danach zu bewerten, ob sie passend sind oder nicht, sondern zuallererst zuzulassen. Dies fordert den und die Kreativen dazu heraus, bereit zu sein, sich mit Neugierde den eigenen Versagensängsten zu stellen und den eigenen Perfektionismus nicht allzu ernst zu nehmen. Und ich kann mit großer Sicherheit aus meiner eigenen Erfahrung und der meiner kreativen Freundinnen und Freunde sagen, dass diese Ängste auftauchen werden. Die Frage ist also nicht, sie zu vermeiden, sondern wie mit ihnen sinnvoll umgegangen werden kann. Hilfreich kann es deshalb zu Beginn sein, sich fest vorzunehmen, mit einem inneren „JA“ in das kreative Abenteuer zu starten und es zuzulassen, auch wenn noch nicht sicher ist, wo es hinführen wird. Es erfordert eine große Portion Mut und Durchhaltevermögen, sich den eigenen Ängsten immer wieder zu stellen, in der Hoffnung, dass sie mit der Zeit kleiner werden und die Luft verlieren, mit der sie sich künstlich und übergroß aufgebläht haben. Und vielleicht hilft auch die Erinnerung an die eigene Kindheit, als es uns gelang, mit Fröhlichkeit und Leichtigkeit einfach zu spielen. Die eigene Spielfreude ist eine der zentralen Fähigkeiten, die für kreative Prozesse so wichtig sind. Viele Menschen haben sie aber irgendwo auf dem Weg ins Erwachsenenleben zu Gunsten von vermeintlichen anderen Erfolgen eingeschränkt und damit vergraben. Die schöne Nachricht ist: mit etwas Übung ist es möglich, die eigene Spielfreude wieder zu bergen und sich zurück zu erobern.


Eine geeignete Reisegruppe finden

Bei alldem kann der Kontakt und Austausch über bewährte Strategien mit anderen Kreativtätigen ein großer Schatz und Gewinn sein. Sich ein Netzwerk aus Weggefährten zu suchen und zu finden, mit denen man ein Stück Weg gemeinsam gehen kann, ist Gold wert. Miteinander und voneinander zu lernen, hilft der eigenen Spielfreude und Kreativität wieder auf die Sprünge – und zeitgleich ermutigt es, zu wissen, nicht allein auf der kreativen Abenteuerroute unterwegs zu sein.


Do it

Wenn also die Frage gestellt wird, wie ein geeigneter Start in kreative Prozesse hinein aussehen kann, dann gibt es kein Patentrezept dafür. Leider – oder vielleicht auch zum Glück – sind die Wege ins kreative Schaffen so unterschiedlich, wie auch die jeweiligen Endergebnisse dieser Prozesse selbst. Dennoch gibt es die eine oder andere sinnvolle Starthilfe. Am Ende wird sich der Erfolg von kreativen Prozessen wahrscheinlich aber viel mehr daran messen, ob ich den ersten Schritt gehe und anfange – und dann heißt es: experimentieren, üben, gestalten und dran bleiben…


Jonny Renger

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